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Ian Simmonds

Kleine klingende Gemälde - die perfekte Umsetzung von Beobachtung und Leidenschaft mit den Farben der Töne ! Über das musikalische Schaffen von Ian Simmonds in schriftlicher Form eine Rechenschaft abzulegen erfährt in etwa der ollen Kamelle „Über Musik zu Schreiben ist wie zu Architektur tanzen" Entsprechung. Das liegt zum Einen an seiner schöpferischen Weitsicht, zum Anderen an der Fähigkeit sich in alle denkbaren stilistischen Abzweigungen der Musikgeschichte einzuarbeiten. Das macht es nicht gerade einfach, da wir Menschen zu sehr nach Kontrolle ringen und uns der Drang innewohnt alles in, umso kleiner desto besser, Schubfächer packen zu wollen. Zur Rechfertigung - wir brauchen eben Orientierung, doch diese sollten wir manchmal selbst festlegen. Für die Gefühlsorientierung im rhythmischen Klangalltag unseres Lebens, gibt es kaum ein besseres Schubfach als jenes Welches, das mit Ian Simmonds beschriftet ist - Ordnung bei der Bewegung der Körperteile und Sicherheit beim Genuss durch die Ohren. Mit leicht britisch (sorry - walisisch!) verkopfter Manier gelingt es Ian Simmonds Gefühle und Bilder in die Musik strömen zu lassen, so das der Zuhörer oder wahlweise Tänzer wiederum eigene tiefe Emotionen aus seinem Inneren hervorzukehren vermag.

Seit Beginn seines Schaffens ist er bedacht, die oft der Tanzmusik anhaftende Stumpfheit aus dem Rhythmus zu vertreiben, um sie durch richtige Noten zu ersetzen. Er führt musikalische Regie für kurze Filme, die im Kopf die Stimmung und Handlung real werden lassen. Dabei schält sich in seinen Kompositionen immer ein schier unwiderstehlicher Groove heraus, egal welche Taktgeschwindigkeit dem Lauschenden vorgegeben wird. Mit einem gewissen songo rientierten Charakter sind seine Tracks meist wie ein kulturelles Konzept mit film-ischem Charakter. Verschiede Gabelungen von Dance-Music, Black Music (aaah! Schubfach. Blöder Begriff eigentlich: What is White Music!?), Jazz, Funk und Soundtrack werden in verlockenden Stücken vereint, die neue Maßstäbe in Sachen elektronischer Clubkultur setzen. Dabei wird keine Cafe-Latte-Bar Musik mit heiter fröhlichen Gedaddel und Gegniedel konstruiert. Denn berührende, spannungsvolle und überraschende Konstellationen zwischen Downbeat, Dub, Jazz, Soul, House, Afrobeat, Breaks, Detroit, Drum'n'Bass, manchmal gar ein wenig Klassik und gelegentlichem Songwritertum, verhelfen dem Herz höher zu schlagen und die Gedanken aus der Umklammerung der Gehirnwindungen zu befreien. Nachzuhören ist dies auf seinen zahlreichen Tonträgern und geschmackvollen DJ-Sets die seit Mitte der 90iger, mit Hilfe der wunderbaren simmondschen Bassläufe


die Connaisseure freudig durch den Regen springen lassen. Insbe sondere das 2000er Album "The Hill", unter seinem Alias Juryman auf dem belgischen First Class-Label SSR erschienen, avancierte zum Klassiker, wenn es darum geht nicht mit alt Gedientem und Gewohntem sicher zu stellen, was Andere bereits vorbereitet haben. Bei diesem Album arbeitete er bereits mit den beiden Protagonisten des heute sehr erfolgreichen Duo's Goldfrapp zusammen. Die Songs „To Sleep", „The Morning" und „The Moot" mit der Stimme von Alison Goldfrapp hätten eigentlich auch zu den Highlights auf deren einzigem guten Album, dem Debüt „Felt Mountain" zählen können.

Als langjährige Fans verurteilten letztes Jahr die Richter von Musikkrause/ Freude am Tanzen den freiwillig Angeklagten Ian zu einer 4 Track 12" (incl. Metaboman Remix), welche noch in 10 Jahren im Katalog von Musikkrause wie ein heller Stern erleuchten wird. Wer sich in den Genuss bringt die Töne aus den Rillen zu lassen, der weiß auch warum. Auf dem zeitlosen Album "Return to X" auf K7! befindet ebenfalls ein Stück was den Zorn der Götter, falls es sie wirklich gibt, über uns Menschen Milde stimmen müsste „The Mantra"- ein unglaublicher 8 Minuten Sehnsuchtsklopfer für die gemütlich extatische Zappelei mit verschlossenen Augen!

Im letzten Jahr verlegte Ian Simmonds seinen Wohnsitz von der Insel, auf Grund der großen musikalischen Offenheit und der kreativen Vielfalt, ins studentische Bürgernest Jena. Hier richtete er sich Studio und Proberaum ein, wo seitdem unermüdlich an neuem Material gearbeitet wird. Nach Jahren der Live-Abstinenz begann er, erinnert an die alten Zeiten mit seiner damaligen britischen Band The Sandals, mit der Planung sich mit verschiedenen Livemusikern auf eine Bühne zu stellen. Noch in diesem Jahr soll ein neues Album erscheinen, welches ebenfalls auf einer Tour präsentiert werden soll. Bereits am 18.12.05 wurde neues und altes Material auf der Bühne im Kassablanca präsentiert. Dabei wurde gemeinsam mit zwei Musikern von Feindrehstar (Drums und Keys) und zwei Weiteren von der Musikhochschule Dresden (Gitarre & Bass) eine wundervolle Atmosphäre geschaffen, welche zu dieser Jahreszeit in geschlossene Räume passte, wie der Schnee draußen vor der Tür. Ganz viel Wärme und Liebe gepaart mit eine Brise Schwermut und Optimismus war da im Raum!

Wer den wundervollen Liveauftritt von Ian Simmonds im Kassab lanca verpasst hat, sollte auf der kommenden Tour keine Wege scheuen, um das nachzuholen wofür er Dagewesene beneiden kann. Es ist einfach großes Kino mit einem der besten Hauptdar steller, welches die zeitgenössische, traditionsverbundene Musik zu bieten hat.

Salute
Oliver Gold

www.crammed.be/wiseintime
www.musikkrause.de

 
 

 
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